Schüler geben eine Unmenge zurück

von Sarah K.

Sprachunterricht für Flüchtlinge ist auch für Lehrer ein Gewinn.
Eigentlich war es nur ein kleines Spiel, erinnert sich Sprachlehrer Michael R.: „Die Schüler sollten sich gegenseitig einen Ball zuwerfen und dabei ihren Namen nennen.“ Zunächst flog der Ball nur von Männern zu Männern oder Frauen zu Frauen. Kontakt zwischen den Geschlechtern war tabu. Nach ein paar Wochen brach diese Mauer. Männer und Frauen sprachen sich gegenseitig an. „Sie haben eine Grenze überwunden. Das ist total Klasse.“ Diese Erfahrungen motivieren den Lehrer. Sie sind ein Grund, dass er sich neben dem Beruf dienstags aufrafft, um für 90 Minuten in der Unterkunft am Hafkhorst Geflüchtete zu unterrichten. Mit Erfolg. Konnten sich Schüler und Sprachhelfer zu Beginn nur mit Händen und Füßen verständigen, lesen die Kursteilnehmer jetzt kurze Bücher.
„Unsere Schülerinnen und Schüler haben sich weiter entwickelt“, berichtet Charlotte H., die die Sprachkurse am Hafkhorst koordiniert. Die meisten Erwachsenen nehmen inzwischen an Integrationskursen teil, in denen sie intensiv Deutsch lernen. Damit sind aber auch die Anforderungen an die Lehrer und Helfer gestiegen. Die größte Herausforderung sind die Hausaufgaben. Was in den Familien Nicht-Geflüchteter Eltern oft zusammen mit ihren Kindern erledigen, ist für die Asylbewerber kaum zu meistern – gäbe es da nicht ein Team aus derzeit vier Sprachlehrern und zwölf Helfern. „Im Vordergrund steht zwar die Vermittlung der deutschen Sprache – inzwischen aber mit Schwerpunkt auf die gezielte Hausaufgabenhilfe“, berichtet Charlotte H.. Üblicherweise geben drei oder vier SprachlehrerInnen und HelferInnen gemeinsam einen Kurs. Manchmal müssen aber auch nur Zwei den Unterricht organisieren. Dann sind die Studierenden im Team eine willkommene Unterstützung. Aber auch sie können nur einspringen, wenn der Klausurplan es erlaubt.

Dabei werden gerade jetzt mehr Helfer benötigt. Denn die geflüchteten Kinder und Jugendlichen kommen mit ihren individuellen Fragen aus dem Schulunterricht. Wer das Deutsche nicht perfekt beherrscht, steht auch bei einer Textaufgabe in Mathematik auf dem Schlauch. Von der Analyse von Sachtexten oder den Englischvokabeln ganz zu schweigen. „Die Schüler wünschen sich Hilfe bei ihren Aufgaben oder der Vorbereitung von Klassenarbeiten“, sagt Charlotte H.. Da braucht es idealerweise einen Betreuer pro Schüler, so unterschiedlich sind die Fragen. Professionelle Deutschlehrer sind hingegen gar nicht unbedingt gefragt. Wichtig ist die Bereitschaft, sich auf die Fragen der Flüchtlinge einzulassen, die auch Alltagsthemen betreffen können.


„Hier sind die Helferinnen und Helfer Vertrauenspersonen“, weiß Michael R.: „Die Geflüchteten wollen Kontakt und Wertschätzung für ihren Einsatz.“ Dafür geben sie ihren Lehrern eine „Unmenge“ zurück. „Das tut gut.“ Respekt vor der Leistung seiner Schüler hat Michael R. spätestens, seitdem er versucht hat, ein paar Wörter arabisch zu lernen und dabei „grandios gescheitert“ ist.

Er konnte inzwischen seine 19-jährige Tochter Antonia begeistern, ihm beim Unterricht zu helfen. „Da trifft sie dann auf eine gleichaltrige geflohene Jesidin, die bisher ein komplett anderes Leben hatte. „Und dennoch: Wenn es um Mode geht, können sich die beiden toll unterhalten.“ Auch die Berufswahl beschäftigt die beiden jungen Frauen, deren Voraussetzungen für die Zukunft kaum unterschiedlicher sein könnten.

Nicht nur für Schüler in der Regelschule und den Integrationskursen, sind die Sprachkurse von Bedeutung. Auch eine dritte Gruppe profitiert ganz besonderes vom ihnen: „Einige Wenige können noch nicht an den integrativen Sprachkursen in der Stadt teilnehmen, weil sie kleine oder kranke Kinder haben“, berichtet Charlotte H.. Vier von ihnen kommen regelmäßig und möchten in den freiwilligen Sprachkursen so viel wie möglich lernen. Auch ihre Begeisterung ist es, die Michael R. motiviert „Natürlich bin ich dienstags nach der Arbeit oft kaputt, aber wenn ich dann einmal hier bin, habe ich Spaß.“  

„Willkommen in Mecklenbeck“ bietet ehrenamtlich-Sprachkurse und Hausaufgabenunterstützung für Flüchtlinge in den Flüchtlingsheimen am Hakhorst und in der Borkstraße an und freut sich immer über weitere Helfer zur Unterstützung. Hier finden Sie unsere Kontaktpersonen der Sprachgruppe.